ÖB 12/2025: „Die Top-Tipps der Experten 2026“

Im Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag geben Volkswirte und Anlageprofis einen fundierten Ausblick. Das sind die wichtigsten Trends und Investments im neuen Jahr.

von Wolfgang Ehrensberger

Wie wird das Börsenjahr 2026? Setzt der DAX seinen Rekordlauf fort? Wie verändert künstliche Intelligenz (KI) das Anlageuniversum? Wohin treibt US-Präsident Donald Trump mit seiner Zoll- und Zinspolitik die Märkte? Und welche Sieger und Verlierer hinterlässt ein möglicher Frieden in der Ukraine auf dem Parkett? Nachdem wir in der vorherigen Ausgabe von €uro am Sonntag die verschiedenen Anlageklassen unter die Lupe genommen haben,  kommen diesmal Ökonomen und Anlageprofis zu Wort und geben Antworten auf diese Fragen. Basis ist dabei die monatliche Exklusiv umfrage zum Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag, die sich diesmal ganz auf den Jahresausblick 2026 fokussiert.

In Einzelinterviews analysieren außerdem drei führende Banken experten die Perspektiven für die kommenden zwölf Monate. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, einer der prominentesten deutschen Ökonomen, rechnet beispielsweise damit, dass vor allem eine gelockerte Zinspolitik der US-Notenbank Fed in diesem Jahr die Aktienkurse weiter anschieben dürfte.  Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Frankfurter Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, richtet seinen Blick auf chancenreiche Branchen: vom Gesundheitssektor über Energie bis hin zu den Banken, die trotz ihrer kräftigen Kursgewinne auch 2026 auf der Gewinnerliste stehen dürften, weil sie unter anderem von einer verbesserten Zinsstruktur profitierten. Und Carsten Mumm, Chefvolkswirt der 1798 gegründeten Hamburger Privatbank Donner& Reuschel, hält trotz möglicher Marktkorrekturen den KI-Sektor für aussichtsreich – wenn auch selektiveres Vorgehen wichtig werde. So werde sich der Fokus der Börsen von den Techkonzernen zu den KI-Nutzern verlagern. „Das wird einer der wichtigsten Faktoren zur Steigerung der Produktivität, der Gewinne und der Aktienkurse sein“, sagt Mumm.

Eine Tendenz fällt bei vielen Anlageprofis und Experten auf: die positive Einschätzung für deutsche Aktien trotz der Konjunkturrisiken und der teilweise trüben Stimmung im Land. Der deutsche Aktienmarkt dürfe nicht mit den derzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Land gleichgesetzt werden, sagt beispielsweise Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Insbesondere die großen DAX-Unternehmen haben ihr Geschäft längst global aufgestellt und profitieren von den internationalen Wachstumsmärk ten.“ Dies gelte zunehmend auch für die zweite deutsche Aktienreihe, die durch ihr Industrie-Know-how mehr und mehr von der weltwirtschaftlichen Entwicklung getragen werde. Ähnlich sieht es Jens Ehrhardt, einer der bekanntesten deutschen Fondsmanager. Ehrhardt bleibt weiterhin Fan von Techaktien, sieht jedoch 2026 vor allem in Europa Potenzial, und insbesondere in Deutschland. „Die fiskalischen Impulse, etwa durch Infrastrukturprogramme, könnten die Konjunktur in Deutschland stärker voranbringen, als die Prognosen bisher vermuten lassen“, sagt der Gründer von DJE Kapital. Bislang seien zwar nur schleppend Infrastrukturaufträge vergeben worden. „2026 dürfte dies allerdings Fahrt aufnehmen und damit Umsätze und Gewinne kleinerer und größerer Unternehmen beflügeln.“

Fakt ist aber auch, dass die Wirtschaft in Deutschland weiter Rückschläge verkraften muss. So ist auch das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag, eine monatliche Konjunkturumfrage unter führenden Volkswirten, im Dezember noch einmal zurückgegangen. Der Indikator für die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland sackte demzufolge um 8,1 Prozent auf 28,4 Punkte ab. Die Prognose für die kommenden zwölf Monate verschlechterte sich sogar um 27,2 Prozent auf 22,4 Punkte. Der Konjunkturindikator hatte bis zum Sommer positiv auf das milliardenschwere Infrastruktur- und Investitionspaket der Bundesregierung reagiert, bewegt sich seitdem jedoch wieder abwärts. Die Ökonomen zeigen sich dabei zunehmend enttäuscht von der mangelnden Umsetzung von Reformprojekten und kritisieren die Handlungsunfähigkeit der Regierung. Beim Ausblick auf 2026 erwarten die befragten Experten mehrheitlich ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0 und 1,0 Prozent sowie eine Inflationsrate von durchschnittlich 2,0 bis 2,5 Prozent.

Doch es gibt auch optimistischere Töne. Regelmäßiger Teilnehmer in der Barometer-Umfrage ist Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim. Das ZEW hat kürzlich bei seiner eigenen monatlichen Umfrage unter Börsenprofis einen deutlichen Umschwung registriert. „Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation spiegelt das Stimmungsbild gute Chancen für eine Konjunkturbelebung“, erläuterte ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse und zeigte sich auch optimistisch zur Wirkung des Milliardenpakets der Bundesregierung: „Die expansive Fiskalpolitik wird der deutschen Wirtschaft Schwung verleihen.“ Zu den aussichtsreichsten Branchen zählen Börsenprofis derzeit den Gesundheitssektor, Versorger und Infrastrukturwerte sowie generell defensive, konjunkturunabhängige Titel. Demzufolge tauchen bei den Empfehlungen häufig Versorger wie RWE und Eon auf, aber auch Konsumgütertitel wie Beiersdorf. Angesichts der relativ moderaten Bewertungen wird mit einem substanziellen Aufholpotenzial gerechnet.

Die US-Bank JP Morgan zählt europäische Aktien zu den derzeit aussichtsreichsten Titeln für 2026, weil sie im Vergleich zu US-Aktien noch immer relativ günstig bewertet und unterschätzt sind. Bereits 2025 haben europäische Aktien märkte wie Spanien, Italien oder Polen um 30 bis 50 Prozent zugelegt, angekurbelt nicht zuletzt von Finanztiteln. Gerade den europäischen Banken werden auch 2026 weiter substanzielle Kurs gewinne zugetraut, angetrieben von einer verbesserten Zinsstruktur, die Zinserträge und Rentabilität weiter stützen dürften, und von weiterer Kostenoptimierung. Darauf verweist etwa die Schweizer Bank Julius Bär, die den Finanzsektor als ihren bevorzugten Anlagesektor sieht. So hat beispielsweise die französische Großbank Société Générale 2025 einen Kursanstieg von über 150 Prozent geschafft. Die Franzosen gelten auch 2026 als weiter aussichtsreich wegen ihrer konsequenten Ausrichtung auf Digitalisierung und Profitabilität/Kostenoptimierung.  

Darüber hinaus empfehlenswert ist die spanische Großbank BBVA (angesichts Bewertung und Ertragskraft), die niederländische Bank ABN Amro (Restrukturierungspotenzial) und der österreichische Branchenprimus Erste Group. Das Wiener Institut baut derzeit seine Position in Mittel- und Osteuropa durch die Übernahme der Santander-Tochter in Polen deutlich aus. In den USA wiederum rät Fondsmanager Jens Ehrhardt neben Techaktien vor allem zu einem Blick in die zweite Reihe. Gerade kleinere US-Unternehmen, die beispielsweise im Nebenwerte index Russell 2000 erfasst werden, könnten von den erwarteten Zinssenkungen der Fed mit am stärksten profitieren. 

Expertenfazit für den DAX

Der DAX dürfte in diesem Jahr seine Aufwärtsentwicklung fort setzen, allerdings etwas gebremst, nachdem der Index drei Jahre in Folge zweistellig zugelegt und 2025 mit einem Plus von rund 22 Prozent auf 24.200 Punkte die Erwartungen deutlich übertroffen hatte. Für 2026 rechnen die meisten Banken damit, dass der DAX zum Jahresende im Schnitt bei 26.000 Punkten liegen wird, ein Plus von rund sieben Prozent. Dass das Potenzial etwas begrenzter eingeschätzt wird, hängt auch an der mittlerweile deutlich gestiegenen Bewertung der Aktien. Als wichtigste Treiber für die Kurse gelten das Infrastrukturpaket der Bundesregierung, die Fortsetzung des KI-Booms und ein globales Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent. 

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