ÖB 02/2026: „Trotz Krisen: Ausblick hellt sich weiter auf“

Nach dem starken Anstieg im Januar bleiben Volkswirte auch im Februar optimistisch. Zwei Drittel lehnen gemeinsame europäische Schulden ab.

Von Wolfgang Ehrensberger

Das Ökonomen-Barometer hat im Februar eine etwas moderatere Gangart eingelegt, die Volkswirte bleiben aber für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland optimistisch. So verharrt zwar im Februar der Indikator für die aktuelle Lage mit 31,9 Punkten leicht unterhalb des Januarwertes. Die Prognose für die kommenden zwölf Monate legt aber mit 28,7 Punkten um knapp drei Prozent zu. Im Januar waren beide Werte noch um 13 und 24 Prozent nach oben geschnellt. Trotz der anhaltenden geopolitischen Risiken betonen die Experten seit Jahresbeginn insbesondere die positiven Impulse aus der Fiskal- und Geldpolitik sowie das Wachstum aus den sogenannten Schwellenländern wieder stärker. Zu den Risiken zählen aber weiterhin die US-Zollpolitik, die Dollarschwäche und die Eskalationsgefahren im Russland-Ukraine-Krieg und im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran.

Dollar-Risiko überschaubar

„Unser Ausblick für 2026 hat sich weiter aufgehellt“, erläutert DZ Bank- Chefvolkswirtin Sonja Marten. „Zum einen aufgrund der soliden Daten aus dem Schlussquartal. Zum anderen sind die jüngsten Daten aus der Industrie erfreulich, sodass wir unsere Wachstumsprognose für 2026 auf 1,2 Prozent an gehoben haben.“ Viele Teilnehmer der Februar-Umfrage äußerten sich zur Dollar- Schwäche und den Folgen für die Weltwirtschaft. Fast zwei Drittel der befragten Volkswirte rechnen damit, dass die Talfahrt des Dollar weitergehen wird. Trotz des optimistischen Ausblicks wird in vielen Beiträgen darauf verwiesen, dass die unberechenbare Politik von US-Präsident Donald Trump weiterhin eine Gefahr für die Weltwirtschaft darstelle. Dass sich die US-Wirtschaft zuletzt robuster als erwartet gezeigt hat, könne allerdings den Dollar unterstützen. Umgekehrt sehen einige Ökonomen wie Friedrich Heinemann vom ZEW bereits ein „Overshooting“ in der Euro-Bewertung. „Der EU stehen erhebliche Belastungsproben und eine mögliche politische Destabilisierung bevor“, warnt Heinemann. Die Mehrheit der Teilnehmer ist der Meinung, dass die Aufwertung des Euro bislang noch keine Gefahr für die deutsche Exportindustrie darstellt. Das hänge auch damit zusammen, dass die Unternehmen inzwischen ihre Produktion diversifiziert hätten. Deutschland habe allerdings angesichts steigender Arbeitskosten bei gleichzeitig stagnierender Produktivität mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. „Die Probleme der deutschen Exportwirtschaft sind struktureller Natur“, bringt es Tim Krieger von der Uni Freiburg auf den Punkt. Harald Hagemann von der Uni Hohenheim wiederum sieht in der Dollarschwäche eine „gute Produktivitätspeitsche“ für die deutsche Exportindustrie, die schon stärkere Dollarabwertungen gut überstanden habe. Die Dollarabwertung an sich stellt für die meisten Ökonomen unter dessen noch keine Gefahr für die globale Finanzstabilität dar. Wohl aber die Ursachen dafür, auf die Volker Hofmann vom Bundesverband deutscher Banken hinweist: „Hohe Staatsverschuldung in den USA, Vertrauensverlust in die Zuverlässigkeit der US-Regierung, Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed.“

Kontroverse um Eurobonds

Auch die Diskussion um die Einführung gemeinsamer europäischer Anleihen sorgte in der Februar-Umfrage zum Ökonomen-Barometer für zahlreiche kontroverse Beiträge. Bundesbank-Chef Joachim Nagel hatte sich kürzlich überraschend für derartige gemeinsame Schulden ausgesprochen, die von Frankreich befürwortet und von Deutschland abgelehnt werden. In der €uro-am Sonntag-Umfrage sprachen sich rund zwei Drittel der Volkswirte gegen gemeinsame Anleihen aus, rund ein Viertel befürwortete sie. Felix Schmidt, leitender Volkswirt bei der Privatbank Berenberg, verweist darauf, dass eine viel häufigere gemeinsame Kreditaufnahme in Europa theoretisch durchaus sinnvoll sein könnte. So könnte ein größerer und liquiderer Markt für gemeinsame, sichere Anlagen Europa für globale Währungs- und Anleiheinvestoren attraktiver machen. „Eine dauerhafte und umfangreiche gemeinsame Kreditaufnahme müsste jedoch mit strengen fiskalischen Kontrollen einhergehen. Die Nationalstaaten müssten dafür weitere Souveränität an Brüssel abgeben, was derzeit eher unwahrscheinlich ist“, erläutert Schmidt, der projektbezogene Eurobonds, etwa zur Verteidigungsfinanzierung, als Kompromiss sieht.

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