ÖB 01/2026: „Plötzlich hellt sich die Stimmung auf“

Das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag steigt im Januar kräftig an.
Volkswirte rechnen ungeachtet der geopolitischen Krisen mit globalen Wachstumsimpulsen. Trumps Pläne für eine Deckelung der US Kreditkartenzinsen findet eine Minderheit gut.

Von Wolfgang Ehrensberger

Ungeachtet der zugespitzten geopolitischen Lage und der Grönland-Krise hat sich das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag im Januar deutlich verbessert. Dabei bewerten die befragten Ökonomen sowohl die wirtschaftliche Lage in Deutschland als auch die Perspektiven für die kommen den zwölf Monate optimistischer. Der Indikator für die Lage kletterte um 13,4 Prozent auf 32,2 Punkte, der Prognosewert um 24,6 Prozent auf 27,9 Punkte. Basis des Ökonomen-Barometers ist eine Exklusivumfrage unter führenden Volkswirten aus dem deutschsprachigen Raum. Zwar werden dämpfende Effekte der geopolitischen Spannungen auf die Weltwirtschaft nicht ausgeschlossen. Dennoch tauchen in der Januar-Umfrage im Gegensatz zu den vergangenen Monaten auch überraschend viele positive Wortmeldungen auf. „Wir rechnen damit, dass das globale Wirtschaftswachstum mit 2,5 Prozent in diesem Jahr in etwa genauso hoch ausfällt wie im vergangenen Jahr“, erläutert Felix Schmidt, leitender Volkswirt bei der Privatbank Berenberg. „Sowohl die Fiskal- als auch die Geldpolitik werden hierbei stützend wirken. Insbesondere in den USA, Japan und Deutschland werden die Staatsausgaben die Nachfrage anregen. In den USA, Großbritannien und vielen weiteren Volkswirtschaften werden die Zentralbanken die Leitzinsen in diesem Jahr noch weiter senken, während sich bei der EZB die Lockerung aus dem vergangenen Jahr auch noch 2026 positiv auswirkt.“

Kräftige Impulse aus Asien

Für Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei Donner & Reuschel, kommen die Wachstumstreiber vor allem aus den Regionen Asien/Pazifik und anderen Schwellenländern. „Negative Wirkungen durch steigende Unsicherheit und zunehmen de staatliche Investitionen zur Erhöhung der Resilienz gleichen sich tendenziell aus“, ergänzt Mumm. Während Michael Ahlheim von der Uni Hohenheim weiter vor den negativen Folgen der unberechenbaren Zoll- und Machtpolitik auf Konsum und Investitionen warnt, zeigt sich Horst Schellhaaß von der Uni Köln zumindest diesseits des Atlantiks optimistischer: „In Europa werden langsam die richtigen Weichenstellungen vorgenommen.“ Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, sieht in China und den USA eine Abschwächung des Wachstums, auch aufgrund moderater zulegen der Investition in künstliche Intelligenz. In der Eurozone werde das Wachstum konstant bleiben. Mit großen Auswirkungen der Krisen in Venezuela und Iran auf den Ölpreis rechnen die Volkswirte im Übrigen nicht. Lediglich eine Eskalation des Iran-Konflikts könne kurzfristig für steigende Ölpreise sorgen – dies erwarten Felix Schmidt und Carsten Mumm. „Der Iran ist der drittgrößte Produzent innerhalb der OPEC und fördert etwa vier Prozent des weltweiten Angebots“, erläutert Berenberg- Ökonom Schmidt. „Eine Eskalation im Nahen Osten und eine mögliche Blockade der Straße von Hormus könnten den Ölpreis kurzfristig in die Höhe treiben.“ In der Januar-Umfrage befassten sich die Volkswirte auch mit der von US-Präsident Donald Trump geplanten Deckelung der US-Kredit kartenzinsen. Dies hatte zu erheblichen Kursbelastungen bei den Aktien von Anbietern wie Mastercard, Visa und American Express geführt. Zwar lehnen zwei Drittel der befragten Ökonomen die Trump-Pläne ab. Oliver Landmann von der Uni Freiburg bezeichnet sie als „interventionistischen Unfug“. Den noch gibt es vereinzelt auch Zustimmung, etwa bei Dirk Ehnts von der TU Chemnitz, der eine Deckelung der Kreditkartenzinsen für sinnvoll hält, „weil es die Chancen der Tilgung erhöht“. Volker Nitsch von der TU Darmstadt verweist darauf, dass es „anstelle eines Markteingriffs in Form eines starren Zinsdeckels marktkonformere Lösungen gibt, wie zum Beispiel Transparenz pflichten“. 

JPMorgan-Chef: „Katastrophe“

Trumps Pläne hatten in der US-Bankenwelt für erheblichen Wirbel gesorgt. „Das würde 80 Pozent der Amerikaner den Zugang zu Krediten verwehren, und zwar zu ihren finanziellen Reserven“, kritisierte JPMorgan-Chef Jamie Dimon am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Dimon, der als einer der einflussreichsten Wall Street-Banker gilt und auch Trump gelegentlich Contra gibt, sprach in dem Zusammenhang von ‍einer „wirtschaftlichen Katastrophe“. 

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