ÖB 08/2022: „Deutschen Verbrauchern droht „massiver Kostenschub““

Ökonomen-Barometer: Den Deutschen steht ein heißer Herbst bevor: Denn mit dem Wegfall von Neun-Euro-Ticket und Tankrabatt sowie der Einführung der Gasumlage droht ein deutlicher Preisschub, der die Inflationsrate (Juli: 7,5 Prozent nach 7,6 Prozent im Juni) in den zweistelligen Bereich katapultieren könnte.

Von Wolfgang Ehrensberger (zum Artikel aus boerse-online.de)

Das erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, der vor einem „massiven Kostenschub“ warnt. Allein über die Gasumlage könnten auf einen Durchschnittshaushalt Zusatzkosten von 300 bis 1000 Euro jährlich hinzukommen.

Folge: Die deutschen Konsumenten geben deutlich weniger aus. Schon im Juli waren die Einzelhandelseinnahmen laut Handelsverband HDE und die Konsumlaune der Verbraucher laut Konsumforscher GfK historisch stark eingebrochen. Der private Verbrauch, der noch im ersten Halbjahr die wirtschaftliche Entwicklung gestützt hat, dürfte im zweiten Halbjahr als Konjunkturantreiber ausfallen. Da derzeit weder von der Investitionstätigkeit der Unternehmen noch vom Außenhandel nennenswerte Impulse kommen, droht der deutschen Wirtschaft im zweiten Halbjahr das Abgleiten in eine Rezession. Ein möglicher Gaslieferstopp des Kreml könnte die Lage noch zusätzlich verschärfen.

Demzufolge rechnen auch die Teilnehmer des Ökonomen-Barometers von €uro am Sonntag mit großer Mehrheit im Verlauf des zweiten Halbjahrs mit einer Rezession, also mindestens zwei Quartalen mit negativem Wirtschaftswachstum (siehe Grafik). Zwei Drittel der Teilnehmer der August-Umfrage halten ein Rezessions-Szenario für „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“. Im Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag werden monatlich führende deutsche Volkswirte nach ihrer Konjunktureinschätzung befragt.

„Gepamperte“ Bürger

Vor diesem Hintergrund hat sich das Ökonomen-Barometer in der August-Umfrage noch relativ stabil gehalten. Der Barometer-Wert, der die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage zeigt, blieb mit 38,0 Punkten fast auf dem Niveau des Vormonats (38,1). Die Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten kletterte sogar um fast sechs Prozent auf 27,2 Punkte. „Langsam sickern die gestiegenen Preise Richtung Verbraucher durch“, analysiert Manfred Schweren vom Vermögensverwalter Privalor die Lage. „Der Staat kann seine Bürger nicht dauerhaft ,pampern‘. Der private Konsum wird in den nächsten Monaten spürbar sinken.“

Aufgrund von Kaufkraftverlusten, Lieferkettenproblemen und der geopolitischen Unsicherheit kommt auch eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zum Ergebnis, dass das Rezessionsrisiko in Deutschland weiter hoch bleibt.

Moderatere US-Inflation

In den USA hat sich unterdessen die Inflationsrate im August auf 8,5 (Vormonat: 9,1) Prozent verlangsamt. Experten erwarten nun eine etwas langsamere Gangart bei den Zinserhöhungen der Fed. Die US-Notenbank hatte die ausufernde Inflation zuletzt mit ungewöhnlich großen Zinsschritten bekämpft. Sie will nächsten Monat nachlegen. Der überraschend moderate Preisanstieg hatte am Mittwoch die Aktienkurse an der Wall Street deutlich beflügelt. Auch der DAX legte in der Folge kräftig zu. Vertreter der Fed warnten allerdings davor, jetzt schon den Sieg über die Inflation auszurufen. „Es sind gute Nachrichten. Aber die Inflation bleibt viel zu hoch und nicht in der Nähe unseres Preisstabilitätsziels“, sagte die US-Notenbankerin Mary Daly.

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