ÖB 12/2019: “Konjunktur: Rezessionsgespenster auf dem Rückzug”

Die Perspektiven für die Wirtschaft hellen sich auf: Ökonomen-Barometer steigt, Ifo-Index legt zu. Auch die Börsen in Europa und den USA haben zum Jahresende Höchststände markiert.

von W. Ehrensberger, Euro am Sonntag (zum Artikel auf finanzen.net)

Vor allem Entspannungssignale im Handelsstreit USA – China haben die internationalen Aktienmärkte in der Woche vor Weihnachten auf neue Rekordstände getrieben. Bereits am Montag erreichten alle drei großen US-Indizes – Dow JonesS & P 500 sowie Nasdaq – historische Bestmarken. Auch in Deutschland kletterten MDAX und SDAX vorübergehend auf neue Rekordhochs, der DAX verfehlte seine bisherige Rekordmarke nur knapp.

Gestützt wurde die Hausse von positiven Konjunkturdaten insbesondere aus Deutschland. Die Zeichen mehren sich, dass die deutsche Wirtschaft ihre Schwächephase allmählich überwindet. So hat sich auch das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag im Dezember weiter stabilisiert. Mit einem Stand von 42 Punkten liegt es leicht über dem Vormonat (41,3).

Die führenden Volkswirte beurteilen vor allem die Aussichten für die kommenden zwölf Monate wieder besser: Die Prognose kletterte um vier Prozent auf 36,4 Punkte. Damit liegt sie bereits um vier Punkte über dem letzten Tiefstand im September. Die Daten deuten auf eine Stabilisierung hin, aber immer noch auf relativ niedrigem Niveau.

Eine sich aufhellende Stimmung der Wirtschaft signalisiert auch der Ifo-Index. Das Konjunkturbarometer kletterte im Dezember überraschend kräftig um 1,2 auf 96,3 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Juni. “Die deutsche Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Pharma und Auto holen auf

Das deckt sich mit den jüngsten Einschätzungen der Deutschen Bundesbank, wonach die deutsche Wirtschaft zwar weiter auf Sparflamme wächst, aber nicht in eine Rezession abzugleiten droht. Europas größte Volkswirtschaft war im dritten Quartal 2019 um 0,1 Prozent gewachsen; zuletzt rechneten Experten für das vierte Quartal mit Stagnation.

Wegen des sich entschärfenden Handelsstreits ist auch die Stimmung unter den deutschen Exporteuren so gut wie seit zehn Monaten nicht mehr. Das entsprechende Ifo-Barometer stieg im Dezember von minus 1,6 Punkten im Vormonat auf plus 2,6 Zähler. Pharma- und Autofirmen werden demnach optimistischer, die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln sind dagegen in ihrer Einschätzung vorsichtiger geworden.

Derzeit kommen Impulse für die deutsche Konjunktur vor allem aus dem Inland, insbesondere von der nach wie vor hohen Konsumnachfrage. Die Verbraucherstimmung sollte auch zu Beginn des neuen Jahres gut bleiben. Das prognostizieren die Marktforscher der GfK. Das Konsumklima-Barometer für Januar sank zwar leicht um 0,1 auf 9,6 Punkte, bleibt aber auf gutem Niveau. “Die Verbraucher lassen sich ihre Kauflaune bislang nicht verderben”, sagte GfK-­Experte Rolf Bürkl.

Führenden Ökonomen zufolge wird sich im kommenden Jahr jedoch auch die Industriekonjunktur wieder fangen. Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran rechnete in seinem Beitrag für das Ökonomen-Barometer mit einer vorsichtigen Stabilisierung der Industrie. Gleichwohl bleibe 2020 ein Rezessionsrisiko, sollte die Industrieschwäche doch noch auf die Binnennachfrage übergreifen. In den kommenden Quartalen sei vor allem wegen der politischen Unsicherheit nur mit verhaltenem Wachstum zu rechnen.