ÖB 10/2025: „Frühlingssignale im Herbst“

Nach zwei Minusmonaten sendet das Ökonomen-Barometer von €uro am
Sonntag im Oktober wieder etwas optimistischere Töne. Hoffnung auf einen „kleinen“ Aufschwung und eine Belebung der Exportwirtschaft. Forderung nach Strukturreformen.

Von Wolfgang Ehrensberger

Nach zwei Durchhängern im August und September hat sich die Einschätzung führender Ökonomen zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Oktober wieder etwas verbessert. Das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag legte in diesem Monat um 7,3 Prozent auf 32,3 Punkte zu. Die Prognose für die
konjunkturelle Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten verbesserte sich um 4,1 Prozent auf 30,3 Punkte. Damit zeigt der auf Basis einer exklusiven Umfrage erstellte Indikator wieder nach oben. Bereits im ersten Halbjahr hatte
das Konjunkturbarometer eine längere Aufwärtsbewegung vollzogen, die aber im August und September mit deutlichen Rückgängen unterbrochen worden war. Wie nachhaltig die positive Kehrtwende im Oktober ist, wird sich in den kommenden Monaten herausstellen.

„Eine leichte Erholung kann bereits aufgrund der expansiven Fiskalpolitik erwartet werden“, erläutert Michael Frenkel von der Otto Beisheim School of Management. Martin Leschke von der Uni Bayreuth zeigt sich ebenfalls vorsichtig
optimistisch: „Noch ist Stagnation angesagt, doch ein kleiner Aufschwung steht vor der Tür.“

Fehlender Reformwille

Donner-&-Reuschel-Chefvolkswirt Carsten Mumm rechnet zwar mit einem Aufschwung 2026, der allerdings nur durch steigende Staatsausgaben angetrieben werde. „Für einen selbst tragenden Aufschwung fehlt die Dynamik bei privaten Investitionen und beim Konsum.“ Um hier eine Initialzündung auszulösen, müsse die Politik Strukturreformen umsetzen. Ähnlich sieht es Justus Haucap von der Uni Düsseldorf: „Ohne einen Herbst der Reformen geht die Talfahrt weiter“, warnte der frühere Chef der Monopolkommission.

Am Dienstag hatte das Mannheimer Forschungsinstitut ZEW seinen Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft vorgelegt, der um zwei Zähler auf 39,3 Punkte zulegte. „Die Hoffnung auf einen mittelfristigen Aufschwung bleibt bestehen“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Daten. „Trotz der Unklarheit um die Umsetzung des staatlichen Investitionsprogramms sowie der anhaltenden globalen Unsicherheiten nimmt der ZEW-Index im Oktober leicht zu.“

Laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, beruhen derzeit die Hoffnungen darauf, dass es für die „tief gefallene deutsche Exportwirtschaft zumindest etwas besser wird“. Die jüngsten Zollstreitigkeiten zwischen China und den USA könnten das Bild aber bereits im kommenden Monat wieder verdüstern. Verschlechtert haben sich beim ZEW-Indikator die Erwartungen für die Eurozone. Grund sei die politische Krise und der Haushaltsstreit in Frankreich.

Hebt die EZB die Zinsen an?

Weiteres Thema in der Oktober-Umfrage zum Ökonomen-Barometer war die Zinspolitik der EZB. Angesichts möglicherweise wieder steigender Inflationsraten hält es rund ein Drittel (34,1 Prozent) der befragten Volkswirte für durchaus möglich, dass die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten die Leitzinsen wieder anhebt. Zwei Drittel der Befragten (63,6 Prozent) sehen das aber als unwahrscheinlich an. Die meisten Volkswirte verweisen darauf, dass sich die
Inflationsraten nahe dem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent befänden und die EZB eher die konjunkturellen Risiken im Auge habe. Neben Hauck-Aufhäuser-Lampe-Chefvolkswirt Alexander Krüger und Berenberg-Ökonom Felix Schmidt gibt es aber immerhin zwei prominente Teilnehmer, die tatsächlich Zinsanhebungen der EZB erwarten. „Der nächste Zinsschritt der EZB könnte durchaus eine Erhöhung sein“, sagt Schmidt. Mittelfristig könne der Preisdruck durch das Fiskalpaket der Bundesregierung sowie steigende Löhne wieder zunehmen. Der leitende Volkswirt von Berenberg rechnet damit, dass die EZB bis 2027 den Leitzins wieder langsam in Richtung drei Prozent bewegen wird.

Knickt die Fed vor Trump ein?

Unterdessen gehen die Meinungen der Ökonomen weit auseinander, inwieweit sich die US-Notenbank Fed dem Druck von Präsident Donald Trump zu weiteren Zinssenkungen beugen wird. 51 Prozent der Befragten erwarten, dass die Fed
künftig einen deutlich aggressiveren Zinssenkungskurs einschlagen wird. Immerhin 49 Prozent rechnen damit, dass sich die Fed nicht vom Präsidenten unter Druck setzen lassen wird.